Durch die Coronakrise steht nicht nur die Wirtschaft unter immensen Druck, sondern zahlreiche Familien leiden ebenfalls enorm unter der extremen Belastung, Beruf, Kinderbetreuung und Beschulung unter einen Hut zu bringen. Da Großeltern zur Risikogruppe gehören und viele von ihnen auf Grund erhöhter Gefährdung ihre Enkelkinder in den letzten zwei Monaten nicht in Obhut nehmen konnten, standen betroffene Familien vor einer Zerreißprobe. Hinzu kommt, dass die Jungen jetzt schon einen Großteil der Last der Coronakrise tragen: Neben steigender Staatsverschuldung sinken die Bildungschancen und angesichts der wirtschaftlichen Folgen vermutlich auch die Einkommen. Ich vermisse in der aktuellen Debatte einen stärkeren Fokus auf mehr Generationen- und Chancengerechtigkeit.

Im Bildungsbereich erleben wir Defizite. Die jetzigen Schulöffnungen verdienen ihren Namen nicht. Wenn die meisten Schüler nur einmal die Woche für wenige Stunden in die Schule gehen dürfen, ist das angesichts der Entwicklung der Infektionszahlen inakzeptabel. Zahlreiche Familien mit Kindern brauchen dringend eine Rückkehr zur Normalität an den Schulen und Kitas. Dass Universitätsbibliotheken nach wie vor geschlossen sind, ist insbesondere für Studenten und Doktoranden eine echte Belastung. Dabei könnten gerade die Bibliotheken problemlos unter Wahrung hygienischer Standards öffnen. Auch Berufsschulen sind geschlossen, während viele Betriebe ums Überleben kämpfen. Für viele Auszubildende heißt das: Sie stehen vor dem Nichts, wenn der Lockdown nicht bald beendet wird.

Für mich ist daher klar: Die Schulen und Universitätsbibliotheken müssen wieder öffnen. Anstatt nach dem Gießkannenprinzip für jedes Kind unabhängig des Einkommens Gelder zu verteilen, sollten die Finanzmittel lieber in die Digitalisierung, Schulen, Universitäten und mehr Forschung investiert werden („Digitalisierung, Schulen, Universitäten und mehr Forschung“: zum Gastbeitrag mit Philipp Möller).

Darüber habe ich auch mit Matthias Iken vom „Hamburger Abendblatt“ gesprochen: